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Einleitung
Die Richtlinien dienen als Grundlage für das VITISWISS-Zertifikat und für die Ausarbeitung der Anforderungen an die ökologischen Leistungsmerkmale (ÖLM) im Rahmen der Verordnung des Bundesrats über Direktzahlungen (DZV). Sie wurden von der Technischen Kommission von VITISWISS in enger Zusammenarbeit mit den regionalen Verbänden erarbeitet und berücksichtigen die anerkannten Grundsätze der integrierten Produktion, wie sie von der Internationalen Organisation für biologische und integrierte Bekämpfung (OILB*) definiert wurden. Diese Anforderungen werden jährlich unter Berücksichtigung neuer Erkenntnisse festgelegt. Bei der Vergabe des Zertifikats können die Sektionen über die nationalen Anforderungen hinausgehen und regionale Besonderheiten berücksichtigen.
Ziele
Die ökologische und integrierte Produktion zielt insbesondere darauf ab:
Verpflichtungen des Weinbauers
Die ökologische und integrierte Produktion erfordert von den Erzeugern eine ständig aktualisierte Berufsausbildung sowie eine positive und dynamische Einstellung gegenüber den angestrebten Zielen. Um diese Ziele zu erreichen, muss ein Betrieb die vorliegenden Richtlinien erfüllen, die auf der gesamten Rebfläche anzuwenden sind.
Anpflanzung der Reben
Standortwahl
Frostgefährdete, schlecht belüftete und schlecht entwässerte Böden sind zu vermeiden. In Wasserschutzgebieten muss ein ausreichender Abstand zwischen den Rebflächen und Gewässern eingehalten werden. Es sind alle Maßnahmen zu ergreifen, um Umweltschäden zu vermeiden.
Auswahl der Rebsorten und Unterlagsreben
Bei der Auswahl der Rebsorten und Unterlagen sind Sorten und Klone zu bevorzugen, die den Boden- und Klimabedingungen am besten angepasst sind. Soweit möglich ist auf eine Diversifizierung der Klone zu achten. Unterlagen, die zu übermäßigem Wachstum führen und Pilzkrankheiten begünstigen können, sind zu vermeiden.
Das Pflanzenmaterial muss gesund und als frei von den wichtigsten Viruserkrankungen zertifiziert sein. Liegt keine Zertifizierung vor, sollte das aus gesundheitlicher Sicht möglichst gesunde Material ausgewählt werden.
Wahl des Erziehungssystems
Die Wahl des Erziehungssystems muss insbesondere Folgendes gewährleisten:
Bodenvorbereitung
Ernährung der Rebe
Die Ernährung der Rebe richtet sich nach dem Bedarf der Pflanze in Abhängigkeit von den exportierten Nährstoffen und den mineralischen und organischen Reserven des Bodens:
Bodenpflege
Die Bodenpflege zielt darauf ab, optimale Bedingungen für die Pflanze zu schaffen, Erosion und Bodenverdichtung sowie die Auswaschung von Nährstoffen zu vermeiden und die biologische Vielfalt zu fördern:
- Ertrag und Qualität der Trauben;
- Risiko der Erosion und Verdichtung des Bodens;
- Niederschlagsmenge und Wasserreserven des Bodens;
- Erziehungssystem und Alter der Rebstöcke;
- Reduzierung des Einsatzes von Herbiziden;
- Erhaltung der biologischen Vielfalt;
Die Bodenbedeckung im Winter muss gefördert werden, um Auswaschungsverluste und Wintererosion zu verhindern.
Der Einsatz von Herbiziden muss auf das unbedingt Notwendige reduziert werden. Bevorzugt werden Produkte mit geringer Persistenz, deren Einsatz während der Saison begrenzt wird und die dem Rebenerziehungssystem Rechnung tragen. Wann immer möglich, wird der Einsatz von Herbiziden durch mechanische Bodenbearbeitung, Mulchen oder Begrünung des Bodens ersetzt.
Bewässerung
Die Bewässerung muss bedarfsgerecht erfolgen. Übermäßige Bewässerung kann zum Auswaschen von Nährstoffen führen. Der Bewässerungsbedarf kann anhand der Berechnung des Wasserdefizits und der Wasserreserven im Boden ermittelt werden.
Die Bewässerung sollte in der Regel auf sehr trockene Gebiete, sehr flache Böden und junge Anpflanzungen beschränkt werden. Grundsätzlich sollte während der Reifezeit der Trauben nicht bewässert werden.
Arbeiten am Rebstock
Die Rebe muss so geschnitten, geformt und geführt werden, dass ein gutes Gleichgewicht zwischen vegetativem Wachstum und Produktion gewährleistet ist. Die Arbeiten am Rebstock müssen insbesondere eine gute Belüftung der Trauben, einen guten Lichteinfall und das Eindringen von Pflanzenschutzmitteln ermöglichen. Sie stellen eine wichtige vorbeugende Maßnahme dar.
Pflanzenschutz
Der Pflanzenschutz hat zum Ziel, die Rebe wirksam gegen Schädlinge und Krankheiten zu schützen und dabei die Umwelt zu schonen. Alle prophylaktischen Maßnahmen sind vor dem Einsatz direkter Bekämpfungsmaßnahmen durchzuführen. Wenn eine direkte Bekämpfung erforderlich ist, basiert sie auf Toleranzschwellen, der Risikoeinschätzung und den Informationen der offiziellen Warndienste.
Vorbeugende Maßnahmen
Die folgenden vorbeugenden Maßnahmen sind eine wertvolle Hilfe für den Schutz der Weinberge:
Risikoprognose
Schädlingspopulationen und das Auftreten von Krankheiten müssen regelmäßig überwacht werden. Die Kontrollmethoden und Toleranzschwellen müssen angewendet werden. Die Informationen aus den Prognosemodellen für Pilzkrankheiten werden verfolgt und die offiziellen Warnungen beachtet.
Auswahl der Pflanzenschutzmittel
Die ausgewählten Pflanzenschutzmittel müssen für Mensch und Umwelt so ungefährlich wie möglich sein und gleichzeitig eine wirksame Bekämpfung von Schädlingen, Krankheiten oder Unkräutern gewährleisten. Vorzuziehen sind sanfte, biologische oder biotechnische Bekämpfungsmethoden. Die Angaben zu Rückständen, Weinbereitung, unbeabsichtigten Auswirkungen auf Nützlinge, Toxizität für Bienen, Risiko der Resistenzentwicklung und Verschmutzung von Wasser und Boden sind zu beachten. Die Auswahl der Pflanzenschutzmittel erfolgt nach den detaillierten Angaben einer jährlich von VITISWISS erstellten Liste. Diese Liste enthält Angaben zu den Anwendungsdosen in Abhängigkeit vom Entwicklungsstand der Rebe, zur Toxizität der Produkte für Nützlinge und zu ihrer Wirksamkeit.
Anwendungstechniken
Die Anwendungstechnik, die Wahl der Geräte und die Wetterbedingungen müssen eine optimale und gezielte Verteilung der Pflanzenschutzmittel gewährleisten und gleichzeitig den Anwender und die Umwelt schützen. Die Behandlungsgeräte werden regelmäßig von zugelassenen Werkstätten eingestellt und überprüft. Die Dosierung der Produkte wird an das Wachstum der Rebe, das Erziehungssystem und das verwendete Gerät angepasst. Beim Kauf eines neuen Geräts ist besonders auf die Qualität der Ausrüstung (Düsen, Pumpe, Sprühqualität usw.) zu achten.
Lagerung und Handhabung von Pflanzenschutzmitteln
Die Lagerung, Vorbereitung und Entsorgung von Verpackungen und Rückständen von Pflanzenschutzmitteln muss den offiziellen Anforderungen und Empfehlungen zum Schutz des Anwenders und der Umwelt entsprechen.
Umgebung des Weinbergs und Biodiversität
Der Weinberg und seine unmittelbare Umgebung sind ein wichtiges Rückzugsgebiet für zahlreiche Tierarten, darunter wertvolle Nützlinge (Typhlodrome, Parasitoide, Spinnen, Laufkäfer, Eidechsen...) und viele Pflanzenarten. Diese sehr vielfältigen Biotope, bestehend aus Steppen, Trockenwiesen, Felsen, Böschungen oder Mauern, sind ebenfalls fester Bestandteil der Weinbaulandschaft. Die Erhaltung und Achtung dieser Flächen geht Hand in Hand mit einem respektvollen und umweltbewussten Weinbau. Besondere Aufmerksamkeit muss der Pflege bestehender Biotope und der Schaffung neuer Standorte mit hoher Biodiversität gewidmet werden.
Obligatorische Angaben
Die Informationen wurden von der Technischen Kommission von VITISWISS recherchiert, die sich aus Experten der Eidgenössischen Versuchsanstalten Changins und Wädenswil sowie der kantonalen Versuchsanstalten (GE, VD, VS, NE, TI, ZH) zusammensetzt.